Und gleich noch ein Ehemaliger:

Wenn auch noch aktiv, dann trotzdem für den falschen Verein…

Adalbert Dawid hat auch seine Erinnerungen aus alter Verbundenheit zum SV Unna zusammengetragen und uns zur Veröffentlichung gesendet:

Bist du in einem Sportverein? – Ja. – Aha, welche Sportart? – Schach.
Diesen Dialog, häufig mit anschließendem Schmunzeln des Fragenden, habe ich so oder so ähnlich
in den mehr als dreißig Jahren Vereinszugehörigkeit schon öfter erlebt. Von Vielen wird Schach
eben nicht als Sport wahrgenommen, weil man dabei ja nicht schwitzt und danach keinen
Muskelkater hat. Dass bis zu sechs Stunden Konzentration eben doch eine Leistung des Körpers ist,
bei der jede Menge Kalorien verbrannt werden und die anschließend zu starker Erschöpfung und –
im Erfolgsfall – zu einer Ausschüttung von Glückshormonen führt, wird von Außenstehenden nicht
gesehen.
Aber wie ist der Autor dieses Textes zu der ungewöhnlichen Sportart Schach gekommen?
Alles fing an mit einem Buch, das mir im Alter von vielleicht sieben oder acht Jahren von meinem
Vater geschenkt wurde. Es handelte von zwei Brüdern, die ein Schachbrett mit Figuren bekamen,
aber nicht die Schachregeln kannten. Was Jungs dann eben so tun, nutzten sie zunächst die
„Armeen“ zur „Kriegsführung“, indem sie sich gegenseitig mit den geschnitzten Holzfiguren
bewarfen. Erst als der Vater den Jungs nach und nach die Regeln erklärte (was den Hauptteil des
Buches ausmachte), fingen Sie begeistert an, diese anzuwenden und gegeneinander zu spielen.
Das in dem Buch erklärte Spiel hatte mich so fasziniert, dass ich fortan Gelegenheiten suchte,
Schach zu spielen, wo immer das möglich war. Einer meiner Schulfreunde, Stefan Tannenbaum,
hatte ein Magnetbrett, auf dem wir in den großen Pausen spielten und vielleicht den einen oder
anderen skeptischen Blick unserer Mitschüler auf uns zogen. Zum Glück war uns das damals
ziemlich egal. Stefan war damals schon (wir waren gerade mal 12 Jahre alt) Mitglied beim SV
Unna und freute sich, mit mir einen halbwegs kompetenten Gegner gefunden zu haben.
Es begab sich eines Tages, dass Stefan mich anrief, ob ich nicht spontan zum SV Unna kommen
wolle. Der Verein richtete an jenem Tag ein Schnellschachturnier unter Jugendlichen aus, bei dem
eine Vierermannschaft aufgrund eines Ausfalls unvollständig war. Ich sprang ein
(Vereinsmitgliedschaft scheint dabei keine Rolle gespielt zu haben) und holte direkt 50%.
Ein Jahrhunderttalent! 😉
Im Ernst: Die nette Atmosphäre, die freundlichen Kinder und Jugendlichen im Verein und ein
gewisser Thomas Rumpf (a.k.a. Rumpel) konnten mich direkt überzeugen, mein Hobby fortan im
Verein zu betreiben.


Die Jugendtrainings und Turniere in meiner Anfangszeit beim SV Unna fanden noch in den
Pavillons des Geschwister-Scholl-Gymnasiums statt (die inzwischen längst abgerissen sind). Nicht
gerade ein schöner Ort, aber zum Schach spielen gut genug und für mich als Königsborner gut
erreichbar. Ein paar Jahre später wechselten wir in die Räumlichkeiten der Lindenbrauerei, die
deutlich besser ausgestattet sind und mit dem Kühlschiff und der Galerie zudem Platz bieten,
größere Turniere komfortabel auszurichten.
Die Lindenbrauerei bleibt für mich der Ort, den ich untrennbar mit meiner Jugendzeit im
Schachverein verbinde. Hier wurden wir Jugendlichen Freitagabend für Freitagabend von Rumpel
trainiert und auf die Gegner in den anstehenden Mannschaftskämpfen und sonstigen Turnieren
vorbereitet. Der SV Unna hatte damals zwei Jugendmannschaften und schon bald durfte auch ich
mal bei den „großen“ (sprich: in der ersten Jugendmannschaft) mitspielen.
Anfangs waren noch ein paar ältere Jahrgänge in dieser Mannschaft (Sven Kreigenfeld, Oliver
Purps, …). Diese waren dann aber bald schon zu alt für die Jugend, wodurch eine alterstechnisch
recht homogene Mannschaft entstanden ist, die es wirklich in sich hatte.
Zunächst einmal bestand die Mannschaft aus etwa gleich vielen Jungs wie Mädchen. Das war (und
ist heute nach wie vor) für eine Schachmannschaft eine echte Seltenheit. Die meisten anderen
Jugendmannschaften weit und breit hatten immer das Problem, dass es ein Mädchenbrett zu
besetzen gab, aber kein (ausreichend starkes) Mädchen verfügbar war. Der SV Unna hingegen trat
teilweise mit drei Jungs und fünf Mädchen bei Mannschaftskämpfen an.
Und dann wurden auch noch die gegnerischen Mannschaften häufig locker „weggehauen“, denn die
Mannschaft hatte enormes spielerisches Potential. Hier ein paar Fakten, die das belegen:
• Gundula Dalhoff nahm an der U-14 Schachweltmeisterschaft teil.
• Jessica Hülsewig wurde NRW-Meisterin und Deutsche Vizemeisterin. Sie war die jüngste
Spielerin bzw. der jüngste Spieler der je in der 1. Mannschaft in der 4. Liga gespielt hat.
• Silke Hartleif ist Unnas Rekordnationalspielerin. Sie nahm als einzige aus Unna an vier
Deutschen Mannschaftsmeisterschaften teil.
• Ivana Vukusic wurde NRW Vizemeisterin.
• Ina Rotenberg spielte in der erfolgreichen Achtermannschaft am Mädchenbrett.
• Ulf Brockmann ist der einzige NRW-Meister, den der SV Unna je herausgebracht hat.
• Christian Urbanczyk und David Jurga spielten bei der ersten gesamtdeutschen Meisterschaft
mit.
• Jens Granseier war bei der deutschen Meisterschaft in Braunschweig der beste Spieler seines
Brettes und sicherte sich den Pokal.
• Adalbert Dawid schaffte es im späteren Verlauf seiner Schachkarriere bis in die 2.
Bundesliga.
• Last but not least: Thomas Rumpf ist seit 1986 Lizenztrainer des Deutschen Sportbundes.
Woran lag es nun, dass beim SV Unna ein derart erfolgreicher Jahrgang entstanden ist?
Obere Reihe: David Jurga, Ulf Brockmann, Jens Granseier, Christian Urbanczyk, Adalbert
Dawid, Thomas Rumpf (Trainer). Untere Reihe: Silke Hartleif, Ivana Vukusic, Jessica
Hülsewig, Gundula Dalhoff
Lag es am Schachtalent der Jugendlichen? Lag es am tollen Mannschaftsgeist? Lag es am
einzigartigen Trainer Rumpel, der einen großen Teil seiner Freizeit für den Verein und die
Betreuung „seiner“ Jugendmannschaft opferte? Oder lag es am allseits beliebten Menschenfänger
Günter Abromeit oder gar den köstlichen Eierschnittchen seiner liebenswürdigen Frau Brigitte nach
Mannschaftskämpfen? Wahrscheinlich an der Mischung all dieser Dinge.
Jedenfalls wundert es nicht, dass die Unnaeraner Jugend einige Jahre lang in der höchsten
deutschen Jugendliga, der NRW-Liga, oben mitmischte und um den NRW-Titel spielte.
Der Autor dieser Zeilen hat nach seiner Schulzeit den Wohnort gewechselt und den SV Unna
verlassen. Heute schiebe ich für den SC Hansa Dortmund die Puppen übers Brett, wo auch nette
Menschen unterwegs sind. Den SV Unna, wo alles begann, werde ich aber für immer in bester
Erinnerung behalten. Ab und an schaue ich in der Lindenbrauerei vorbei und nehme an einem
Schnellschach- oder Blitzturnier teil und stelle fest, dass es hier immer noch genau so nett ist wie
früher.
Danke an all die Menschen, die damals diese tolle und erfolgreiche Zeit ermöglicht haben

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