Ehemaliger Spieler von SV Unna : Nachruf für Ralf Kilian

Im Mai erfuhren wir vom Ableben von Ralf Kilian, der seine Anfänge im Schach auch lange Zeit in Unna genommen hatte. Thomas Weischede, Vorsitzender der Eduard-Lasker-Gesellschaft erinnert hier mit seinem Nachruf an Ralf Kilian:

Ralf Kilian – Ein Idol meiner Jugend hat uns verlassen! 

Ralf Kilian war Jahrgang 1956 und damit acht Jahre älter als ich. Ich weiß nicht, wann und wie er mit dem „Schachvirus“ infiziert wurde. Vermutlich war es der WM-Kampf 1972 zwischen Spassky und Fischer. Woran ich mich genau erinnere, waren meine ersten Einsätze in der ersten Mannschaft des SV Unna 1924 Anfang der 80er-Jahre, damals noch am achten Brett. Ralf spielte damals am Brett 1 und war für mich eine Ikone und Idol, weil er mit beiden Farben gegen starke Gegner viele Punkte holte, oft in haarsträubenden Zeitnotgefechten. Seine Vorliebe für die französische Verteidigung habe ich eifrig nachgeeifert. Leider auch seinem schlechten Zeitmanagement. Wir beiden liebten Kortschnoi für sein Revival dieser Eröffnung. Damals war es noch möglich, auf Intuition zu spielen, heute fast undenkbar.

Ich hatte Glück und konnte beide Einsätze in der ersten Mannschaft gewinnen, nach meiner Erinnerung nach fast zwölf Stunden und jeweils zum Sieg von 4,5 zu 3,5. Für den Aufstieg hat es trotzdem knapp nicht gereicht. Woran ich mich gut erinnere, ist die Analyse nach beiden Partien mit Ralf, der mich prompt lehrte, dass ich Patzer viel früher hätte gewinnen können. Dies vermittelte er überaus charmant und nie überheblich, wofür ich ihm sehr dankbar war. Dies sind die unbezahlbaren Lehrstunden, die es nur im Vereinsschach mit und unter Freunden gibt.

Ralf verließ bald den SV Unna, um in der Bundesliga zu spielen. Wir verloren uns aber nie aus den Augen. Ich folgte ihm an Brett 1 nach und weiß noch, wie er mich zur letzten Runde der Verbandsmeisterschaften 1984 begleitete, um mich dort mental zu unterstützen. Tatsächlich wurde ich zweimal hinter IM Sehner und IM Heinbuch Dritter. Ohne Rally hätte ich dies vermutlich nicht geschafft.

Alle Partien zwischen uns endeten -oft nach dramatischem Gefecht- nach meiner Erinnerung Remis. Ich erinnere mich dabei nur an Blitzpartien. Eine normale Turnierschachpartie haben wir leider nie gespielt.

Ralf hatte das Potential zum GM oder IM. Warum er nicht mindestens FM geworden ist, verstehen nur die Götter.  Seine Verwerfungen im Leben ließen dies vermutlich nicht zu. Nun hat er uns viel zu früh verlassen; just in einer Zeit, in der ich mit meinem Heimatverein daran arbeite, die ehrenamtliche Basisarbeit hervorzuheben, weil sie für das Schach allgemein so wichtig ist. Ralf hat dies vorbildlich gelebt. Er wird fehlen.

Ich hoffe, dass er sich mit daran erfreuen konnte, dass Viktor Ehrenmitglied der ELG war. Wie gern wäre ich Zeuge von Viktor gegen Ralf im MacCutcheon oder Leningrader-Franzosen gewesen. Beide sind -wie andere Schachfreunde aus Jugendzeiten wie Heinz Georg oder Udo Seepe- nicht mehr unter uns. Was bleibt, ist eine dankbare Erinnerung an viele gemeinsame Stunden in einer geselligen Runde, die von Respekt und Zuneigung geprägt war und fürs Leben geprägt hat. Herzlichen Dank dafür.

Lieber Ralf, Ruhe in Frieden!

Thomas Weischede

Vorsitzender der ELG

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Thomas Rumpf
    9. Juni 2026 7:55

    Hier Ralf seine besondere Partie gegen die ehemalge Nr.3 der Weltrangliste:
    http://www.365chess.com/game.php?gid=1257171

    Unser Ralf hat viele Jahre am ersten Brett in der 3. Liga für Unna gespielt. Ich erinnere mich noch an seinen größten Sieg. Die Zeitung brachte eine Doppelseite incl. Partienotation heraus.
    Beim Mannschaftskampf Unna gegen Solingen besiegte er am Spitzenbrett den Sieger der Dortmunder Schachtage.
    MacCutcheon im Franzosen hat er meisterlich gespielt. Klasse Partie.
    GM Heikki Westerinen war sein damaliger Gegner in Volksbank Unna, dieser gewann die Dortmunder Schachtage im Jahr 1975.

    Als Jugendlicher durfte ich bei Mannschaftskämpfen für ihn höchstpersönlich in der Volksbank Unna oder in der Sparkasse das Brett aufbauen.

    Lieber Ralf, Ruhe in Frieden.

    Thomas Rumpf

    Antworten

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